Wir fragen…Jörn Gossé, CEO Medipak Systems, antwortet

Herr Gossé, können Sie kurz erläutern, wo Körber Medipak Systems gerade in Sachen Digitalisierungsinitiative steht?

Wir bei Medipak beschäftigen uns seit geraumer Zeit mit Digitalisierung. Unter dem Stichwort Pharma 4.0 haben wir bereits zwölf verschiedene Initiativen gestartet. Sei es die Integration von Mikrochips in der Verpackung („smart packaging“), der Einsatz von Augmented Reality (AR)- und Virtual Reality (VR)-Technologie bei der Produktpräsentation oder unserem Line Management System, um nur ein paar dieser Initiativen zu nennen. Es gibt also hervorragende Beispiele, was wir mit Digitalisierungslösungen, die unser bestehendes Geschäft ergänzen, leisten können.

Nehmen sie unseren Verpackungsspezialisten Dividella. Der unterstützt Kunden bei der Umrüstung der Topload-Kartonierer NeoTOP mit der Datenbrille „Hololens“. Sie ist in ein digitales Umfeld eingebunden und führt den Operator visuell und Schritt für Schritt durch den Umrüstprozess. Fehler sind damit nahezu ausgeschlossen, die Prozesssicherheit wird deutlich erhöht, die Umrüstzeiten verringern sich signifikant.

Und wie sieht es aktuell bei der Strategieerarbeitung aus?

Mitarbeiter aus unterschiedlichen Bereichen und mit ganz unterschiedlichen Hintergründen haben sich eingebracht. Wir waren mit viel Elan bei der Sache, und es gefällt mir sehr, dass viele Mitarbeiter die Chancen, die sich uns bieten, offen und mit viel Freude annehmen. In dieser positiven Atmosphäre haben wir zunächst ein gemeinsames „Digitales Zielbild“ entwickelt. Etwas zeitversetzt fanden dann unsere beiden Sprints statt, sodass wir im Anschluss eine „Digitale Roadmap“ (also eine Beschreibung, in welchen Schritten wir vorgehen wollen) und ein „Operating Model“ (also die Art und Weise, wie wir vorgehen) entwickeln konnten. Die Digitalstrategie für Medipak ist jetzt klar umrissen und fließt in unsere Gesamtstrategie bis 2025 ein, welche bis Ende Oktober verabschiedet werden soll.

Welche Rolle spielten „Sprints“ bei der Strategieentwicklung?

Eine sehr wichtige: Sprints sind ein wunderbares Format, um sehr schnell zu guten Ergebnissen zu kommen. Neben den guten Ergebnissen haben die Sprints jedoch auch etwas anderes bewirkt: Wir sind als Medipak-Team enger zusammengewachsen! In unseren beiden Sprints haben sich Mitarbeiter aus allen sieben Unternehmen des Geschäftsfelds beteiligt. Jeder von ihnen bescheinigt, dass es zum einen ein viel besseres Verständnis für das Geschäft der Schwesterunternehmen gibt, als auch zum anderen ein „Wir sind Medipak“- Gefühl entstanden ist.

Unser Sprint „Digital Products and Solutions“ entwickelte über 20 konkrete digitale Produkt- und Dienstleistungsideen, mit denen wir – neben unseren heute bereits vorhandenen Angeboten – unser Geschäft deutlich erweitern und unsere Kunden noch erfolgreicher machen können. Diese vielen verschiedenen Ideen haben wir priorisiert, indem wir das jeweilige Potential für den Markt und unsere Fähigkeit dieses zu realisieren, bewertet haben.

Unser Sprint „Customer Focus“ orientierte sich weitgehend an der „Customer Journey“ (das ist der sprichwörtliche Weg, den Kunden zurücklegen, wenn sie mit uns in Kontakt kommen) und den sogenannten Pain Points unserer Kunden. „Pain Points“ haben allerdings nichts mit Schmerzen zu tun, sondern das sind die Momente, in denen Kunden etwas erwarten, das wir noch nicht optimal erfüllen. Unser Team hat hier sechs verschiedene Initiativencluster (das sind Gruppen von Initiativen, die miteinander zu tun haben) erarbeitet. Dazu gehören beispielsweise ein Kundenportal inklusive Webshop, ein CRM-System (Software für die Verwaltung und Bearbeitung von Kundendaten) mit digitalen „Werkzeugen“ für die Vertriebsmannschaft und auch Maßnahmen im digitalen Marketing.

Gutes Stichwort, Herr Gossé, aktuell ist digitales Marketing in aller Munde. Aber Marketing war doch schon immer etwas, bei dem man alle Kontaktpunkte mit den Kunden genutzt hat, natürlich auch das Internet. Was ist neu?

Es zahlt sich aus, dass wir Kunden anders ansprechen. Vor allem die andere Brille, die wir aufhaben, wenn wir überlegen, wie wir unsere bestehenden und unsere potenziellen Kunden erreichen können. Was interessiert sie? Welche Probleme müssen sie lösen, für die wir Lösungen anbieten? Über sämtliche digitale Kanäle wollen wir so viele Neukunden wie möglich gewinnen. Wir konzentrieren uns zunächst auf unsere eigenen Internetseiten. Wir haben Produktseiten neu konzipiert, auf denen wir spannende Produkte für unsere Kunden vorstellen, unter anderem die NeoTRAY von Dividella und das MES PAS-X KPI von Werum. Unsere Medipak-Systems-eigene Seite „Holistic Solutions“ gehört natürlich auch dazu. Digitales Marketing eröffnet uns neue Chancen und Verkaufsmöglichkeiten – und der Erfolg spricht für sich: Seit dem Start wurden nicht nur mehr als 40 Angebote an potentielle Neukunden versendet, sondern auch schon neun neue Aufträge gewonnen! Chancen und Aufträge, die wir ohne digitales Marketing nicht gesehen oder bekommen hätten.

Gibt es weitere konkrete Projekte, über die Sie berichten können?

Ja, auf jeden Fall. Da wir unsere Rolle als ganzheitlicher Lösungsanbieter stärken wollen und deshalb unser Portfolio im Interesse unserer Kunden erweitern, haben wir uns gezielt mit Lösungen abseits unseres Tagesgeschäfts befasst. Das heißt: Wir haben gemeinsam richtig weit über den eigenen Tellerrand und Tisch hinausgeschaut.

Und was entdeckt?

Zum Beispiel, dass wir in dem für uns sehr interessanten Wachstumsmarkt „personalisierte Medizin“ viel beisteuern können. Zum Hintergrund: Immer häufiger ist es so, dass Patienten nur mit individuell auf sie abgestimmter Medizin richtig behandelt werden können. Diese zielorientierte Behandlung ist immer für exakt einen einzigen Patienten gemacht. Das erfordert sehr effiziente Prozesse, die 100 Prozent sicher und zeitgenau sein müssen. Für uns heißt das: Wir müssen sowohl die Logistik als auch die pharmazeutische Datenverarbeitung perfekt beherrschen. Da lag es nahe, mit unseren Kollegen aus dem Geschäftsfeld Logistik-Systeme im Team zu arbeiten. Wir haben bereits ein gemeinsames Projekt, das gerade den kompletten digitalen Innovationsprozess bei Körber Digital durchläuft. Wir sind stolz, dass wir für die nächsten Schritte erneut eine maßgebliche Förderung erhalten haben. Für mich persönlich ist diese Zusammenarbeit ein sehr guter Beleg dafür, dass wir nicht nur richtig innovative Lösungen finden können, sondern auch die passenden Formate haben, diese agil und zügig umzusetzen.

Haben Sie noch ein Beispiel für uns?

Ja! Wir wollen unsere Kunden bei der Verwaltung ihrer Zulieferer unterstützen. Bisher laufen diese Prozesse noch mit sehr viel analoger, papierbasierter Arbeit. Es gibt einen großen Bedarf, diese Arbeiten durch digitale Lösungen zu vereinfachen und gleichzeitig die Qualität zu erhöhen. Vorstellen können wir uns eine webbasierte Plattform, über die sowohl die Bestellungen als auch die Zulieferer, zum Beispiel für Faltschachteln, Beipackzettel und Etiketten, oder auch die Materialien für die Herstellung von Medikamentenverpackungen gemanagt werden. Auch wenn das nicht unser aktuelles Kerngeschäft ist, sind wir hier dank unseres umfassenden Industrie-Know-hows in der Lage, unseren Kunden schnell sehr gute Lösungen anzubieten.

Wie verändert die digitale Entwicklung das Geschäftsfeld, jetzt und in Zukunft?

Für uns eröffnen sich enorme Chancen. Dabei geht es nicht nur um neue Produkte oder innovative Ansätze für den Aufbau einer smarten Produktion. Es geht um neue Geschäftsmodelle. Wir denken unter anderem darüber nach, Equipment als Service (EaaS) zu liefern. Hinzu kommen weitere neue Wege im Vertrieb. Als Basis hierfür sind wir gerade dabei, ein modernes CRM-System einzuführen. Plus: andere Formate für die Zusammenarbeit – in Unternehmen, im Geschäftsfeld und gemeinsam mit anderen Geschäftsfeldern im Konzern.

Wie bereits gesagt: Mich beeindruckt vor allem, wie viel Freude alle, die mitarbeiten, einbringen und wie sie mit ihren Erfahrungen immer mehr Kolleginnen und Kollegen anstecken. Das ist der Garant dafür, dass wir die Möglichkeiten der Digitalisierung bestmöglich nutzen. Ich möchte alle Kollegen ermutigen, sich hier einzubringen. Das gilt vom Monteur bis zum Kollegen oder zur Kollegin im Lager. Wir bieten ihnen gerne die Räume, um ihre Ideen Stück für Stück auszuarbeiten: von der Idee über ein Minimal Viable Product (MVP) – also ein Produkt mit den minimalen Anforderungen und Eigenschaften – bis hin zum detailliert ausgearbeiteten und marktreifen Produkt – sowohl im klassischen Geschäft als auch beim Ausloten der digitalen Möglichkeiten. Verändert sich dadurch, wie wir gemeinsam denken und arbeiten? Ja, absolut. Und bedeutet das, dass wir unsere eigenen Prozesse weiterentwickeln? Absolut. Und zwar, damit unsere Kunden schon an diesen sehen, dass wir ihnen auf jeder Ebene die besten Lösungen anbieten.

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