Wachstum auf Knopfdruck

Das Berliner Start-up BigRep baut die weltweit größten serienmäßigen 3-D-Drucker (FDM) und deckt dabei die komplette Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zur Auslieferung des fertigen Produktes ab. Mit ihnen lassen sich sogar ganze Möbel und Autoersatzteile ausdrucken. Seit kurzem ist der Konzern an dem aufstrebenden Unternehmen beteiligt. Ein Blick hinter die Kulissen des kleinen Start-ups mit den großen Maschinen.

 

Mit einem Tisch hat einst alles begonnen. Sein verschnörkeltes Design stammt aus der Zeit des Rokokos vor rund 300 Jahren. Doch das sieht man ihm gar nicht an – in leuchtendem Neonorange und aus Kunststoff steht er in der Ecke des Großraumbüros in Berlin-Kreuzberg. Noch bis vor kurzem tourte er rund um die Welt, von Fachmesse zu Fachmesse: Das Berliner Unternehmen BigRep demonstrierte damit vor Scharen von erstaunten Menschen rund um den Globus, dass die von ihm konstruierten Maschinen in der Lage sind, auf Knopfdruck sogar ganze Möbelstücke in Einzelauflagen herzustellen.

Ursprünglich hatte die Firma vor allem Designer, Architekten oder Künstler als Anwender der Maschinen im Visier. Inzwischen jedoch konzentriert sie sich zunehmend auf Industriekunden.

Die 3-D-Drucker sehen aus wie fast mannshohe Boxen, in denen sich auf Schienen ein Druckkopf bewegt und dabei aus geschmolzenem Kunststoff Schicht für Schicht beinahe jedes gewünschte Objekt ausdruckt (siehe Kasten). Keine andere Firma weltweit produziert nach eigenen Angaben serienmäßig so große und dabei so preiswerte 3-D-Drucker wie das Start-up aus Berlin. Um die Anwendungsmöglichkeiten auch für weitere Kundenanwendungen nutzen zu können, ist Körber seit kurzem an dem  Berliner Start-up beteiligt. Der Konzern ist damit der derzeit zweitgrößte Gesellschafter von BigRep. Künftig sollen gemeinsam neue Anwendungen für die Kunden von Körber in den einzelnen Geschäftsfeldern entwickelt werden. Und für BigRep geht es darum, sich Wissen über effizienten Maschinenbau anzueignen.

Industrie im Visier

Wie alle anderen Mitarbeiter sitzt auch der Chef und Mitgründer René Gurka mitten im Raum, gleich neben seinem Co-Geschäftsführer Dr. Stephan Beyer. Gurka hat ursprünglich mal Jura studiert, später unter anderem als Berliner Wirtschaftsförderer gearbeitet, zudem war er auch schon Außenhandelslobbyist in den USA und hat eine Beteiligungsfirma gegründet. Im Jahr 2014 hob er schließlich zusammen mit zwei Partnern die BigRep GmbH aus der Taufe.

Auf der Metallschiene gleiten die Druckköpfe kontrolliert von links nach recht und arbeiten sich so voran.
Bild: Dawin Meckel

Ursprünglich hatte die Firma vor allem Designer, Architekten oder Künstler als Anwender der Maschinen im Visier. Inzwischen jedoch konzentriert sie sich zunehmend auf Industriekunden. So fertigen etwa Automobilhersteller oder Maschinenbauer damit Ersatzteile oder Prototypen aus Kunststoff. Auch maßgeschneiderte Prothesen lassen sich mit ihrer Technik inzwischen leicht herstellen. Wie das am besten funktionieren könnte, untersuchen BigRep-Mitarbeiter in der Ecke hinter der Geschäftsführung. Hier liegt, hinter einer Glastür akustisch verborgen, aber dennoch gut sichtbar, das Herzstück der Firma: die „Druckerfabrik“, wie sie Unternehmenssprecher Maik Dobberack scherzhaft nennt. Tatsächlich lässt BigRep seine Maschinen von Industriepartnern zusammenbauen, bevor sie in den Versand gehen. Doch hinter der Tür basteln die hauseigenen Maschinenbau-Ingenieure, Materialexperten und Programmierer ständig an einer Reihe von Geräten, die hier leise vor sich hin summen und Namen wie „Gabriele“, „Abby“ oder „Charlotte“ tragen. Ein bisschen Persönlichkeit hat schließlich auch eine Maschine.

 

Start-up-Leben in Bildern

Die Tüftler probieren in ihrer gläsernen Fabrik neue Druckerdüsen aus, testen und verbessern Software. Oder sie forschen an neuen Werkstoffen, die zum Beispiel besonders biegsam sind beziehungsweise hohe Temperaturen vertragen. Einer von ihnen ist der Maschinenbau-Ingenieur Johannes Wiessler, der sich darüber freut, dass er in einem offenen Team ständig mit anderen Kollegen neue Aufgaben lösen darf. „Einen typischen Arbeitsalltag“, sagt er, „gibt es hier nicht“. Davon schwärmt auch seine Kollegin Atula Poduval.

Eine der vielen weiblichen Mitarbeiter beim Berliner Start-up BigRep.
Atula Poduval, die indische Mechatronikerin und Programmiererin, bei der Justierung von Druckköpfen.Bild: Dawin Meckel/Ostkreuz

Die Mechatronikerin und Programmiererin stammt aus dem westindischen Industriezentrum Pune. Nach dem Masterstudium in Deutschland blieb sie – und entwickelt heute bei BigRep Kontrollsysteme für die Druckmaschinen. „Es gibt keine Monotonie bei meiner Arbeit“, sagt sie. Schon allein deshalb, weil in den Räumen in Berlin-Kreuzberg rund 80 Menschen aus 14 unterschiedlichen Ländern zusammenarbeiten. Arbeitssprache ist dabei zwar Deutsch, doch an den meisten Tischen diskutieren die Mitarbeiter auch auf Englisch miteinander. Weitere zehn Mitarbeiter beschäftigt BigRep im Ausland.

Innovation unter der Discokugel

Doch was sich mit den BigRep-Druckern alles anstellen lässt, das wird in Berlin erforscht. Die hauseigene Design- und Innovationsabteilung residiert in separaten Räumen im Erdgeschoss des Gebäudes. Im vorderen Teil dieser „Studio“ genannten Einrichtung schult BigRep regelmäßig Kunden und Verkäufer. Im hinteren Bereich, unter einer kleinen Discokugel, probiert das Designstudio NOWLab neue Anwendungsmöglichkeiten für die Geräte aus. Vor der Tür des NOWLab versammeln sich an warmen Tagen alle Mitarbeiter zum gemeinsamen Grillen im Hinterhof. Manchmal fährt das Team dann noch die Tischtennisplatte mit dem Lastenaufzug nach unten. Wenn das Wetter weniger schön ist, trifft sich das Team vor der Küche, die mit durchsichtigen Plastikplanen abgetrennt und voller bunter Stühle ist. Alle zwei Monate informiert hier die Geschäftsführung bei Pizza und Freigetränken die Mitarbeiter über die neusten Entwicklungen im Unternehmen.

Vorstandsbesuch bei BigRep im Video:

Zur Zeit der Videoproduktion war Michael Horn als CTO/COO für die Partnerschaft mit BigRep verantwortlich. Inzwischen nimmt er neue Herausforderungen außerhalb des Konzerns wahr.

Das alles sind typische Phänomene bei Start-ups, die in Berlin mittlerweile eine rege Szene bilden. Allerdings produzieren diese jungen Firmen in der deutschen Hauptstadt sonst meist Apps oder andere Software. Dynamische Neugründungen, die sich auf die Produktion von handfesten Maschinen spezialisiert haben, und das auch noch im zentral gelegenen und beliebten Szenestadtteil Kreuzberg, sind seltener. „Unser Standort Berlin macht es uns nicht leicht, hochqualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagt Unternehmenssprecher Dobberack. Denn Hardware-Entwickler finden sich meist in Süddeutschland, wo traditionell der deutsche Maschinenbau zu Hause ist. Einer, der dennoch gefunden wurde, ist der Materialentwickler Paul Worms: „Die Grenzen des 3-D-Drucks ständig verschieben, und das bei einem Start-up in Berlin-Kreuzberg – was will man mehr?“, ist er überzeugt.

 

3-D-Druck: Was ist das genau?

Beim 3-D-Druckträgt eine Maschine nach einer digitalen Vorlage tröpfchen- oder schichtweise ein Material auf. So lassen sich dreidimensionale Objekte herstellen. Als Erfinder des 3-D-Drucks gilt der US-amerikanische Ingenieur und Erfinder Chuck Hull, der Anfang der 1980er-Jahre das erste Patent für ein additives Fertigungsverfahren für Kunststoffe angemeldet hat.

Heute können verschiedene Typen von 3-D-Druckern mehr als 100 verschiedene Materialien verarbeiten – von Metallen über Beton bis zu Holzgemischen. Dementsprechend vielfältig sind die Anwendungen. Sie reichen von passgenau gedruckten Turnschuhen über menschliche Prothesen bis zu ganzen Bauteilen für Flugzeuge. Auch Möbel oder komplette Häuser lassen sich mit 3-D-Druckern herstellen. Aus teils öffentlich zugänglichen Datenbanken können Anwender dafür die Druckdaten herunterladen.

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