Logistik 4.0 aus dem „Isar Valley“ – Das Warenlager der Zukunft

Das Münchner Unternehmen Magazino entwickelt mobile Roboter und revolutioniert damit die Welt der Intralogistik, also der unternehmensinternen Logistik. Seit Februar ist auch der Körber-Konzern an dem Robotik-Start-up beteiligt und sichert sich damit den Zugang zu wichtigen Schlüsseltechnologien. Zudem werden auf diese Weise die Digitalisierungsinitiativen im Geschäftsfeld Logistik-Systeme gestärkt.

Ein kurzes Surren, eine rote Lampe leuchtet auf und schon setzt sich „TORU“ in Bewegung. Der Roboter gleitet nach rechts und bleibt vor einem gelben Schuhkarton stehen. Nur ein paar Sekunden hält er inne, scannt den Gegenstand vor sich ab, fährt dann seinen Greifarm nach vorne aus und packt den ausgewählten Karton. Sofort setzt er sich wieder in Bewegung und fährt die Regalreihe entlang.

„TORU“ ist ein Kommissionierungsroboter, das heißt, er stellt verschiedene Waren und Güter für den weiteren Transport zusammen. Er gehört zur neuen Generation der wahrnehmungsgesteuerten Roboter des Münchner Unternehmens Magazino. Eine besondere Softwaresuite – das „Gehirn“ – lässt diese im wahrsten Wortsinn selbstbewussten Roboter ihre Umwelt wahrnehmen, sodass sie in einer für Menschen gemachten Umgebung agieren können. Im Büro an der Landsberger Straße im Stadtteil Laim im Münchner Westen durchläuft der Roboter gerade den finalen Testlauf, bevor er beim Kunden im Warenlager zum Einsatz kommt. Ein paar Meter weiter wird bereits der nächste mobile Roboter zusammengesetzt und programmiert.

Gegründet wurde die Magazino GmbH 2014 von Frederik Brantner (Kaufmännischer Geschäftsführer), Lukas Zanger (Technischer Geschäftsführer) und Nikolas Engelhard (Senior Expert Computer Vision). Die Technik, die das junge Team hier im „Isar Valley“ entwickelt und auch unter demselben Dach produziert, ist eine kleine Revolution und bisher weltweit einzigartig. Obwohl Computer bereits die komplexesten Berechnungen durchführen können, fehlt Robotern bislang bei einfachen Bewegungsmustern wie dem Greifen das Fingerspitzengefühl.  Paletten können von Robotern zwar sicher gehandhabt werden, schwierig wird es jedoch bei der Kommissionierung einzelner Produkte. Doch genau da gibt es großen Bedarf.

„Wir geben den Robotern Augen und Sinne.“
Florin Wahl, Pressesprecher von Magazino

Diese Lücke in der Automatisierung will das Unternehmen mit der Entwicklung von Robotern für die Logistik schließen. Die hohen Wachstumsraten beispielsweise im E-Commerce verlangen nach effizienten Lösungen. „Dieser Bereich wächst rasant und gleichzeitig steigen die Anforderungen, was Schnelligkeit, aber auch die Komplexität der Bestellungen angeht. Gerade mittelständischen Unternehmen fällt es immer schwerer, ausreichend Arbeitskräfte zu finden“, erklärt Florin Wahl, Pressesprecher von Magazino. Abhilfe sollen wahrnehmungsgesteuerte, mobile Roboter wie „TORU“ oder sein großer Bruder „SOTO“ schaffen.

„Unsere Roboter erkennen einzelne Objekte im Regal, können diese greifen und auch wieder präzise ablegen“, sagt Wahl. Möglich machen dies 2-D- und 3-D-Kameras. „Wir geben ihnen sozusagen Augen und Sinne.“ Sie fahren sehend durch die Lager, entscheiden jedes Mal aufs Neue, wie sie als nächstes greifen. Anders als die alte Generation von Industrierobotern reagiert „TORU“ in Echtzeit auf seine Umgebung und kann selbstständig Entscheidungen treffen. Das ist enorm wichtig, weil er permanent mit unbekannten Situationen konfrontiert ist. Die Vorteile der automatisierten Gehilfen sind offensichtlich: Bei körperlich anstrengenden Aufgaben wie dem Kommissionieren aus der untersten oder obersten Regalebene oder bei langen Laufstrecken entlasten sie die Mitarbeiter.

Anfänge in der Apotheke

Geboren wurde die Idee eines sehenden und denkenden Roboters bei einem Besuch von CEO und Mitgründer Frederik Brantner bei seinen Eltern im Sommer 2011. Damals noch Student, traf sich Brantner mit einer befreundeten Apothekerin und bekam zufällig mit, wie sie einen Kommissionierungsautomaten bestückte: „Ich war sofort von dem Prinzip fasziniert. So einen Apparat wünschte ich mir auch für Zuhause. Eine Aufräummaschine, die alle meine Dinge sortiert.“ Elektrisiert von der Idee lud er spontan eine Gruppe von Freunden mit dem entsprechenden technischen Know-how zum Brainstorming ein. „Leider haben die mir relativ schnell klar gemacht, dass solch eine Aufräummaschine für die eigenen vier Wände viel zu teuer wäre.“ Trotzdem: Die ganze Nacht habe er damals in seinem alten Kinderzimmer wach gelegen. „Die Idee hat mich einfach nicht losgelassen.“ Bis zur Gründung der GmbH 2014 brauchten Brantner und seine beiden Mitgründer Nikolas Engelhard und Lukas Zanger allerdings noch einiges an Nerven und Nachtschichten. Begonnen hat das Trio in einem 16-Quadratmeter-Büro. Heute verteilen sich die 104 Mitarbeiter auf rund 700 Quadratmetern und zwei Etagen im Gewerbehof Laim. Aus dem kleinen Start-up ist mittlerweile eines der größten Teams für wahrnehmungsgesteuerte Robotik in Europa geworden.

Noch bauen die Mitarbeiter jeden Roboter per Hand in der eigenen Werkstatt zusammen. Die Zukunftsvision des Gründertrios ist es jedoch, mit ihren Robotertechnologien in Serie zu gehen und das autonome und selbstdenkende Warenlager Wirklichkeit werden zu lassen. „Magazino hat ein unglaubliches Potenzial, diese neue Robotik zu prägen und hier ein großer Player zu werden. Im ersten Schritt bedeutet das eine E-Commerce- und Logistik-Revolution“, ist Brantner überzeugt. Eine Entwicklung, die auch der Körber-Konzern weiter unterstützen möchte. „Heutzutage wollen Konzerne ein bisschen mehr wie Start-ups agieren und wir Start-ups wollen von der Erfahrung der Konzerne lernen“, sagt Brantner.

Neue Entwicklungen brauchen Freiraum

Es wird unruhig in dem weitläufigen Loft, alles versammelt sich gerade um einen langen Holztisch in der Nähe der Küche. Teller klappern und es duftet nach Pasta. Wie jeden Tag um 12 Uhr isst die ganze Firma zusammen. Ein festes Ritual. „Wir haben eine eigene Köchin und das Essen ist für alle kostenlos. Das ist uns sehr wichtig und Teil unserer Firmenkultur“, erklärt Pressesprecher Florin Wahl. Nicht nur das „Wir-Gefühl“ wird so gestärkt, sondern es werden auch Kollegen an einen Tisch gebracht, die sich sonst nicht begegnen. Nicht zu starr und festgefahren sollen die Strukturen werden. Deshalb gibt es auch keine feste Sitzordnung: „Jeder setzt sich dorthin, wo er will und wo gerade Platz ist.“ Die Hierarchien sind flach und die Kommunikation direkt. Denn neue Entwicklungen brauchen nicht nur Mut, sondern auch Freiraum.

„Wir arbeiten an einer Art der Robotik, die es sonst nicht gibt.“
Nikolas Engelhard, Gründer von Magazino

„Wir haben hier die Chance, an einer Art von Robotik zu arbeiten, die es sonst noch nicht gibt. Wir entwickeln und setzen Dinge um, die bisher nur in der Forschung in der Theorie behandelt werden. Wir machen sozusagen eine Robotik der Moderne“, sagt Gründer Nikolas Engelhard. Auch ihn findet man nicht in einem schicken Büro, sondern inmitten seines Teams mit dem Laptop auf den Knien. Nach dem rasanten Tempo der Anfangszeit, in der das Team bis zu drei Prototypen im Monat baute, werden die Schritte langsam kleiner. „In der Gründerzeit haben wir uns vor allem auf die Lösung von Problemen konzentriert, doch langsam verschieben sich unsere Prioritäten. Jetzt stehen Funktionalität und Verlässlichkeit immer stärker im Mittelpunkt.“ Wie beispielsweise Anpassungen  der Computer-Vision –  dem Sehvermögen des Roboters – oder Optimierungen der Arbeitsabläufe sowie die Integrationen der Roboter in den laufenden Betrieb von Logistikzentren.

Junge Tüftler kommen frisch von der Uni

Eine wichtige Grundlage für die Innovationsleistung und die Schnelligkeit der Firma ist das junge Team von Magazino. Denn nur mit einer neuen Generation an Softwareingenieuren frisch von der Universität lässt sich das Feld der wahrnehmungsgesteuerten Robotik beherrschen. Einer von ihnen ist Dominik Meinzer: Der Robot Software Engineer testet gerade seine Software an einem „TORU“. Das Ziel ist, dass der Roboter auch Gegenstände präzise greifen kann, bei denen er über keinerlei Daten und somit Erfahrung verfügt. „TORU“ kann bereits selbstständig Objekte abmessen, jedoch werden täglich neue Konzepte entwickelt, die die Fähigkeiten und die Robustheit des Roboters stetig verbessern. Je nach Dringlichkeit kann die entsprechende Software bereits nach kurzer Zeit beim Kunden eingesetzt werden. Seit Mai ist der 26-Jährige fest im Team, doch hat er schon vor mehr als zwei Jahren als Praktikant für Magazino gearbeitet. „Ich war zwischen Praktikum und Masterandenstelle am Robotikinstitut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt.“ Während des Praktikums habe er gemerkt, dass die Arbeit bei Magazino ihn durch und durch fasziniert. „Hier ist das Team einfach einzigartig. Ich habe große Freiheiten und damit natürlich auch viel Verantwortung. Aber vor allem ist es spannend, bei dieser Revolution ganz vorne mit dabei zu sein.“

 

Magazino – in vier Zahlen

Gründung: 2014
Mitarbeiter zum Start: 12
Mitarbeiter heute: 104
Produzierte Roboter pro Jahr: 100

Copyright: Magazino GmbH

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