Klein, aber oho!

Konzernweit testet Körber seit Ende vergangenen Jahres die Möglichkeiten sogenannter kollaborativer Roboter. Diese Cobots übernehmen monotone Tätigkeiten in der Produktion – und verschaffen damit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Freiräume für anspruchsvollere Aufgaben. Wie gut das Miteinander von Mensch und Maschine funktioniert, zeigt auch Teil II unserer Cobot-Serie. Zu Besuch bei LTI Motion im hessischen Lahnau.

Ein großer Tag für Eugen Raisch war der Tag, an dem der „UR 10“ seinen Dienst in der großen Produktionshalle von LTI Motion in Lahnau bei Gießen aufnahm. Und das nach  fast genau 90 Tagen Testphase, die sich der technikbegeisterte Raisch als Leiter Operational Excellence des Geschäftsbereichs Motion und sein Team vorgenommen hatten.

Hinter dem Kürzel UR 10 steckt einer von drei kollaborativen Robotern, die derzeit konzernweit intensiv auf ihre Fähigkeiten und Einsatzmöglichkeiten erprobt werden. Auch bei den Konzernunternehmen Langhammer (LINK) (Geschäftsfeld Logistik-Systeme) im pfälzischen Eisenberg und bei Baltic Metalltechnik in Hamburg (Geschäftsfeld Tabak) sind Cobots im Testeinsatz.

Selbstverständlich standen auch bei LTI Motion schon lange Roboter in den Hallen. Doch der UR 10 ist der erste, der mit Menschen an seiner Seite aktiv zusammenarbeiten kann. Daher der Begriff „kollaborativ“. Und weil es in Lahnau – wie auch an den anderen zwei Standorten der Cobots – so gut klappt mit dem Miteinander, haben die Kolleginnen und Kollegen vor Ort auch gleich Schluss gemacht mit dem förmlichen UR 10. „Strolch“ haben sie ihren Cobot getauft und diesen Schriftzug prominent auf dem langen Schwenkarm der Maschine verewigt.

Genau, genauer, „Strolch“

Direkter Kollege oder besser „Chef“ von Strolch ist Andreas Adam. Der Prozesstechniker überwacht und steuert dessen Arbeiten. Und Strolch lässt auch niemanden näher als zwei, drei Schrittlängen an sich heran. Aus Sicherheitsgründen schaltet er sich selbstständig ab, sobald eine Lichtschranke im Nahbereich überschritten wird. Auf diese Weise sind Unfälle mit dem Cobot praktisch ausgeschlossen.

Jeden Tag aufs Neue ist Adam fasziniert von der faktisch fehlerfreien Exaktheit des Cobots: „Mancher Mitarbeiter wäre vielleicht schneller als unser Cobot. Aber keiner so genau.“ Und das liegt vor allem an der ermüdenden Aufgabe: Der Cobot setzt Gehäuseteile auf eine Dispensermaschine und erteilt die Freigabe zum Auftragen des Silikons. Anschließend entnimmt er die Gehäuse, sortiert sie und entnimmt das nächste Teil. Am Ende der Arbeitsschritte hebt er das Tablett mit den fertigen Gehäusen in einen Trockenofen. Dort härtet das Silikon dann aus. Die daraus entstehenden Produkte sind unverzichtbar für Hersteller von Vakuumtechnologie, eine der wichtigsten Kundengruppen von LTI Motion.

Nach den Worten von Eugen Raisch sieht sich LTI Motion nicht als Maschinenbauer. Die Mannschaft aus Lahnau versteht sich vielmehr als Automatisierungslieferant für anspruchsvolle Applikationen im Maschinenbau. „Naheliegend nutzt LTI Motion die Automation auch zur Flexibilisierung und Effizienzsteigerung in der Produktion. Und dafür ist Strolch genau der Richtige – täglich wird er besser in seinen Abläufen.“

Die Cobots sind – vor allem wegen der vielseitigen Einsatzmöglichkeiten in den Geschäftsfeldern – zukunftsweisende Investitionen. Denn sie bringen sowohl wichtige Erleichterungen im Kerngeschäft als auch neue Erkenntnisse für konkrete Anwendungsmöglichkeiten vieler nützlicher Dinge, die sich hinter dem Schlagwort Digitalisierung verbergen. Ein weiteres Plus: Eugen Raisch rechnet für Strolch im derzeitigen Testfall mit einer Amortisationszeit von weniger als einem Jahr.

Vom Projekt zum Prozess

„Seit Strolch im Dienst ist, hat sich unsere Ausschussquote klar verringert“, freut sich Adam, der seit 1984 für LTI Motion arbeitet. Jeder Handgriff beim Roboter sitzt. Und im Vergleich zu einem Kollegen, dessen Arme und Augen nach Stunden zwangsläufig ermüden, macht Strolch ohne Mühe immer weiter. Auch nachts, am Wochenende oder an Feiertagen, wenn es Kundenaufträge erfordern.

Ist sie damit also doch berechtigt, die Sorge vor der Übermacht der niemals ermüdenden Maschinen? Andreas Adam winkt lachend ab. „Die Maschine ersetzt nicht den Menschen, sondern befreit ihn geradezu von monotonen Aufgaben“, sagt der erfahrene Prozesstechniker. „Gerade der Job an der ‚Silikonstation‘ war alles andere als beliebt. Gut, dass wir jetzt Strolch haben“, meint Adam mit einem zwinkernden Auge. „Meine Kolleginnen und Kollegen sind froh, dass sie ihre Zeit nun für weit wichtigere Tätigkeiten nutzen können.“

Eugen Raisch freut sich über den gelungenen Start von Strolch: „Aus einem Projekt wurde ganz schnell ein Prozess.“ Im Sprint-Tempo feilt das Cobot-Team in Lahnau daher mit Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen des neuen Geschäftsfelds Körber Digital in Berlin an weiteren Einsatzmöglichkeiten für den Cobot – oder potenzielle weitere „Strolche“. Denkbar ist beispielsweise, dass sich der Cobot noch stärker um die eigene Materialbeschaffung kümmert. Bisher verarbeitet er nur das, was er präsentiert bekommt. „Von einer bereits schlanken Produktion wollen wir auf diese Weise zu einer intelligenten schlanken Produktion kommen“, beschreibt Raisch.

Für Strolch wird nun schon nach weiteren Aufgaben geschaut, um seine Auslastung noch weiter zu erhöhen. Es bleibt also spannend, womit er seine Kollegen als nächstes entlasten kann.

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