Digitale Missverständnisse

Amazons Echo Alexa und ich werden keine Freundinnen mehr. Leider. Vorbei. Aus. Für immer.

Dabei hatte alles so gut angefangen: keine zu hart gekochten Eier mehr, dank Alexas netter Erinnerungen. Lieblingsradio lauter beim Kochen, ohne den Regler am Radio mit verklebten Händen zu verschmieren. Lustige Einkaufslisten, weil Alexa nicht immer alles gleich richtig verstand. Aber wir lernten uns ja gerade noch kennen. Doch dann kam mein Mann.

Zu nett?

Und seine Musik. „Alexa, bitte spiele ByteFM Internetradio“, rief er fröhlich durch den Raum. „Das habe ich leider nicht verstanden, hier ist ein Radiosender, der dir gefallen könnte: „Sting.“ Autsch. Nicht, dass ich Sting-Fans zu nahe treten wollen würde… Okay, nächster Versuch, mein Mann ist sehr geduldig. Und vielleicht zu nett? Das „Bitte“ weglassen? „Alexa, spiele ByteFM Internetradio“. Alexa flötete zurück: „Gerne, jetzt spiele ich einen Radiosender, der dir gefallen wird: Hits der 80er“. Autsch. Finsteres Gesicht. Der geduldige Mann wird lauter: „Alexa! ByteFM INTERNETRADIO!“ Prompte Antwort, sanfte Stimme: „Das gewünschte internetfähige Radio jetzt bestellen?“ Autsch, Alexa. Das wird nicht gut ausgehen. Ich versuche es selbst: „Alexa, spiele ByteFM Internetradio.“ „Gerne, viel Spaß mit ByteFM.“

„Das gewünschte internetfähige Radio jetzt bestellen?“

Entnervter Blick meines Mannes. Ich beschwichtige. Er kann es ja morgen wieder versuchen. Abend zwei: gleiches Spiel. Mann schon stark entnervt. „ALEXA! BYTEFM!“ „Das habe ich leider nicht verstanden“, säuselt Alexa. Mann: „Du bist blöd!“ Alexa pariert: „Das war aber nicht nett von dir!“ Oh, das Gesicht meines Mannes. Brodelte! Heftigst!

Neues Heim oder neuer Mann?

Abend drei: Es wurde nicht besser. Okay, versuchen wir etwas anderes. Mann fragt: „Alexa, wie ist das Wetter in Lucca?“ Sanft tönt es aus dem Lautsprecher: „Das Wetter in Luzern ist gut, nimm aber einen Schal mit, es ist windig.“ Oh, autsch, Alexa. Das wird schlimmer statt besser. Wurde es auch in den kommenden Wochen. Ich musste wählen: Mein Mann oder die neue Mitbewohnerin? Das war einfach. Alexa und ich haben uns getrennt. Mein Mann ist wieder entspannt, geduldig und fröhlich – mit unserer analogen Stereoanlage. Alexa ist umgezogen, ein paar Straßen weiter, und wohnt jetzt bei einem anderen Paar. Und versteht dort auch den Mann: „Hi, hier ist Alexa, ich spiele jetzt ByteFM für euch, viel Spaß!“ Autsch. Zu spät. Aber wir lernen ja alle noch …

 

Text: Henriette Viebig
Illustration: Tobias Rieger

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